Haben wir überhaupt noch Zeit uns gesund zu ernähren ?

Ich behaupte einfach einmal, dass wir eine deutsche Durchschnittsfamilie sind. Wir haben zwei Töchter im Alter von 4 und 1 Jahr. Wie sieht so ein Tagesablauf aus ?

Ich gehe schon sehr früh außer Haus, bevor der Rest der Familie aufsteht. Frühstück gibt es keines. Meine Freundin kümmert sich zunächst einmal um die große Tochter, denn diese muß pünktlich in den Waldkindergarten. Frühstück läuft eher nebenbei, denn mit Kleinkindern gemütlich und dann noch gesund zu frühstücken ist Utopie. Schnell wird das Pausenbrot und die Getränkeflasche hergerichtet und schon geht es ab mit dem Auto, denn wir wohnen auf dem Dorf. Wenn wir Glück haben fährt unsere Nachbarin, dann kann die kleine Tochter länger schlafen, weil die Mama ja nicht weg muss. Dafür hat die Nachbarin mit ihren zwei Söhnen entsprechenden Stress. Die erste Chance auf einen gesunden Start in den Tag ist damit schon vertan...

So ließe sich der Tag fortsetzen: Was koche ich mittags, was gibt es zum Abendbrot, wie sieht es mit der Mahlzeit für den Mann aus, der auch noch zu unregelmäßigen Zeiten nach Hause kommt. Komme ich täglich mit Kindern zum Einkaufen in die nahe Stadt, bekomme ich immer das Obst und Gemüse frisch, am besten vom Biobauern ? Kennt eine Mutter (oder auch ein Vater) denn Kalorien- und Nährwerttabellen auswendig, kann sie/er allen Obst- und Gemüsesorten zuordnen, wie gesund sie für unsere Ernährung sind ? Kann ich damit sicherstellen, dass meine Familie alle notwendigen Nähr- und Vitalstoffe erhält, die sie für ihre Gesundheit benötigt ?

Und dann: Wer hat die Zeit, all die leckeren, gesunden Sachen auch noch fachgerecht zubereiten zu können ? Oder ist nicht schon wieder Hektik angesagt, wenn die Kleine gefüttert werden muss, parallel gekocht werden muss, weil die große Tochter mittags aus dem Kindergarten zurück ist und Hunger schreit ? Und dann stochern alle im so gesunden Essen herum, weil es ihnen nicht schmeckt.

Und am Schluß landen dann doch alle wieder bei McDonalds, denn es ist zum Teil wohl schon seelische Grausamkeit Kindern gegenüber, nicht regelmäßig beim "Mäccie" zu sein.

Aber ein Aspekt wird gänzlich außer Acht gelassen: Der Verbraucher hat wieder einmal die Verantwortung, sich natürlich und gesund zu ernähren. Und wie ist das mit den Herstellern von Lebensmitteln ? Welcher Bauer verwendet keine Chemie auf seinen Feldern, füttert seine Rinder oder Schweine nicht mit mästenden Futtermitteln (Stichwort: Antibiotika). Wo liegt da die Verantwortung für eine gesunde Ernährung ? Letztlich wieder bei Frau und Mann daheim am Herd. Und damit ist das schlechte Gewissen, insbesondere bei den Müttern, vorprogrammiert. Doch das ist nicht gerechtfertigt.

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Aktualisiert 19. September 2002